Garten Eden für Ndingine

Sie haben sich redlich eine Pause verdient… [Bild: Sima Djahankhani, Tansania, 09/2016]

Bad Kreuznacher Architekt packt in „Geburtsland“ an

Die Sonne brennt auf den Boden. Frauen und ihre Kinder holen am nahgelegenen Fluss frisches Trinkwasser, die Männer ausgestattet mit Einbaum, Fischernetz und Angelhaken stehen am See und fischen. Was sich anhört wie eine Geschichte aus dem 20. Jahrhundert, ist heute noch Alltag im afrikanischen Entwicklungsland Tansania. Fließend Wasser oder Strom zum Kochen sind hier die Ausnahme.  

Wir sind in der tansanischen Dorf Ndingine. 200 Menschen leben hier, eine kleine Gemeinschaft oder große Familie, alles sehr viel ruhiger und entspannter als in der über 1.000 Kilometer entfernten Hauptstadt Daressalam. Wer hierher kommen will, hat entweder einen langen Fußmarsch vor sich oder ist in Besitz eines Geländewagens mit Allradantrieb. Das soll sich ändern. Die Globalisierung wartet auch hier nicht und soll in Form von Straßen Einzug halten. Die tansanische Regierung hat vor Jahren Straßenbauprojekte angestoßen, in einem 60 Meter breiten Korridor wird alles abgerissen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ob die Straßen dann wirklich kommt, bleibt hingegen fraglich.

Einen solchen Verlust erleidet die Gemeinde Ndingine. Ihre aus massiven Backsteinen erbaute Kirche muss weichen, ihr Begegnungspunkt. Unter Ihnen befindet sich auch der 32-jährige Janos Zillger. Der studierte Architekt aus Bad Kreuznach ist in der Nähe  „geboren“ und aufgewachsen, pflegt seit vielen Jahren den Kontakt in die alte Heimat und unterstützt sie. 

Gemeinsam mit einem langjährigen Freund der Familie, die mittlerweile in der Kurstadt sesshaft geworden ist, plant er den Bau einer neuen Begegnungsstätte. Ein Ort der die örtliche Kultur und das Klima berücksichtigt, sowie die lokalen Rohstoffe Lehm, Stein und Holz einbezieht. Ein Ort für alle Kulturen und Konventionen: Ein „Garten Eden“, nennt es Zillger.

Die Auswahl der Baumaterialien ist dem Architekten wichtig. „Die Begegnungsstätte wird, im wahrsten Sinne des Wortes wieder zu Staub zerfallen, wenn Sie ihren Nutzen verliert“, erklärt er. Sie wird wieder zu Nährstoff für viele Lebewesen und fruchtbarer Ackerboden, der die Menschen hier ernährt. Nachhaltigkeit von besonderem Ausmaß. 

Der kreisförmig geplante Bau – der die Erde symbolisiert – umfasst im Inneren verschieden Bereiche, von Bibliothek, Büro, und einem Mehrzweckraum für Veranstaltungen und Gottesdienste. Dazu entstehen Gärten, die von den Einwohner Ndingines zum Gemüseanbau genutzt werden können. Aus der Vogelperspektive betrachtet bildet die Begegnungsstätte das Abbild eines Kreuzes, in Anlehnung an die alte Kirche.

Es ist nicht das erste Projekt von Zillger in seiner alten Heimat. Vor vier Jahren war er bereits für die architektonische Planung einer Kirche mit einfachsten Mitteln verantwortlich, aus Holzbalken und einer Zeltplane, die Heimat für über 500 Gemeindemitglieder wurde. Für seine Herzensprojekte in der alten Heimat kündigte er vor drei Jahren seine Anstellung in einem renommierten Architekturbüro, um so dem Projekt voll und ganz zur Verfügung zu stehen. Seitdem arbeitet er unermüdlich mit der Gemeinde Hand in Hand an der Umsetzung des ambitionierten Bauvorhabens. Für seine alte Heimat. [KH, 04/2018]