Die Vision

Die neue Begegnungsstätte aus der Vogelperspektive… [Bild: János Zillger, Tansania, 06/2015]

 – Altes muss vergehen, damit Neues entstehen kann –

Die Vision ist einen Ort zu schaffen der die örtliche Kultur, das Klima, sowie die lokalen (Bau)Materialien Lehm, Stein und Holz einbezieht. Ein Ort für alle Kulturen und Konventionen, welcher einen täglichen Nutzwert hat.  Ein „Garten Eden“! Eine Begegnungsstätte die die Menschen mit Kultur, Gemeinschaft, Wissen und Lebensmittel versorgt. Es soll keine Grenzen schaffen, sondern lediglich ein gestalteter Bereich für Mensch und Natur darstellen.

Ferner wird die Begegnungsstätte durch die Wahl der Baumaterialien, falls sie in der Zukunft ihren Nutzen verliert, im wahrsten Sinne des Wortes „wieder zum Staub zurückkehren“, wieder zu Nährstoff für viele Lebewesen werden, ehe nach wenigen Jahren das Land wieder zu fruchtbarem Ackerboden wird und die Menschen ernährt, ohne jegliche umweltschädliche Überraschungen. Der fruchtbare Boden, der sogenannte „Mutterboden“, ist eine Ressource die man niemals zerstören sollte, da der Schaden nie wieder gut gemacht werden kann. Die Erde ernährt uns alle, in Verbindung mit den vier anderen Grundelementen bzw. „Essenzen“ Feuer, Wasser, Holz, Luft.

Der Ort bildet im Gesamtkontext einen Kreis, welcher symbolisch die Welt darstellt. Dieser wird gegen das Äußere – Universum, von einer Stampflehmmauer abgetrennt und betont dadurch die Existenz der Gemeinschaft. Im Inneren der Mauern schaffen Gärten, ein Gebäudekomplex und ein Wasserrückhaltebecken einen Bezug zum Sein. Die Gärten können die Gemeindemitglieder gemeinschaftlich zum Gemüseanbau nutzen. Der Kern der Anlage ist der Gebäudekomplex. Dieser besteht aus zwei Seitenschiffen und einem Mittelschiff. In den Seitenschiffen ist eine Bibliothek – das Auge zum Wissen, und ein Büro untergebracht. Das Mittelschiff ist ein Mehrzweckraum der für unterschiedlichste Veranstaltungen wie zum Beispiel Gemeindetreffen, Musikveranstaltungen und Gottesdienste genutzt werden kann. Aus der Vogelperspektive betrachtet bilden sie das Abbild eines Kreuzes.

Die Gebäude sollen aus Stampflehm errichtet werden. Das vorhandene Gebäude soll so zurückgebaut werden, dass alle Materialen für den Neubau wiederverwendet werden können. Durch die Eigenschaften des Lehms bleiben die Innenräume auch bei großer Sommerhitze angenehm kühl temperiert. Die einheimischen nutzen diesen besonderen Effekt des Lehms um ihr Trinkwasser zu kühlen, indem sie es in Tontöpfen lagern. Die Gebäudedecken haben hingegen unterschiedlich große Öffnung, zur Belichtung des Raumes sowie um die warme Luft – ähnlich einem Kamin, abzuführen.

Da Lehm anfällig gegen Erosion durch Wind und Wasser ist, müssen die Gebäude auf steinernen Podesten errichtet werden. Vorbild hierfür sind die griechischen Tempel. Bildlich gesehen bekommen die Gebäude Schuhe angezogen und stehen so dauerhaft auf trockenen Füßen. Des Weiteren schützt ein filigraner Holzskelettbau, der mit einem Segel aus Leinenstoff bespannt wird, die Gebäudehülle gegen Sonne und Regen. Die Idee ist in abstrakter Form einem Baum nachempfunden. Durch die Trennung von Gebäudekomplex und Dachkonstruktion kann eine natürliche Luftzirkulation – Thermik, stattfinden. Die Hitze wird so kontinuierlich den Gebäuden entzogen und es entsteht eine stetig kühle Brise in der trockenen subtropischen Region. Die Gebäude nutzen intelligent die Naturgesetze und stehen so in einer Symbiose mit ihrer Umgebung. Durch die Kombination einer massiven sowie einer leichten Bauweise sind die Bauten Erdbeben sicher.

Die Gestaltung des Ortes wurde mittels der „Heiligen Geometrie“ entwickelt. Die Heilige Geometrie besagt, dass alle physischen Existenzen aus ein und der selben geometrischen Form, entspringen, welches ein Kreis ist. Ideologisch ist dadurch die Begegnungsstätte im Zusammenhang mit allem Sein gestellt. Folglich wurden die Proportionslehre sowie der goldene Schnitt auf das gesamte Konzept angewendet. Durch die geometrischen Zusammenhänge kann mittels eines Zirkels, ohne weitere Hilfswerkzeuge der Entwurf abgebildet werden.

Zudem wurde die Begegnungsstätte nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Leitbild hierfür sind die „Zehn Bücher der Architektur“ des römische Architekten Marcus Vitruvius Polio, genannt Vitruv. So wurde das Kreuz – in der Gebäudewand des Mittelschiffes, zwischen den Winden Nordost – „Aquilo“ und Ost – „Solanus“ ausgerichtet. Im Idealfall steigt die Sonne am Ostermontag, zur Auferstehung „Jesus Christus“ – im Jahre 2019, exakt im Kreuz auf und der Raum wird vom Sonnenlicht durchfluten.

Da durch die geografische Lage des kleinen Fischerdorfes starke Winde aus dem Indischen Ozean – Südostpassat, kommen, sind die Gebäude diesen abgewandt geplant. Die Winde sollen durch die Ausrichtung des Areals gebrochen und verteilt werden. Die vier Haupteingänge der Begegnungsstätte sind deshalb von der Hauptwindrichtung abgewandt. Sie sind dennoch auf alle Himmelsrichtungen verteilt. Von der Ferne sind die Eingänge durch Mangobäume gekennzeichnet. Sie sollen ebenfalls vor Winden und Sonne schützen. Mangobäume haben einen hohen Stellenwert in der tansanischen Kultur und dienen meist als Treffpunkt für Versammlung oder als kühler, schattiger Ort um ein Nickerchen zu machen.

In der Hauptachse ist die Ringmauer geöffnet, um so den Blick auf den Njassasee und die Livingstoneberge zu gewähren. Da beides untrennbar mit den Menschen am Njassasee verbunden ist, wurde hierzu besonderer Bezug genommen. Der See ist die Quelle der Hauptnahrungsmittel Wasser und Fisch. David Livingstone hat maßgeblich zur Christianisierung des schwarzen Kontinentes und zur Abschaffung des Sklavenhandels beigetragen.

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