Ein reines Gewissen

Sitzung unter Mangobäumen… [Bild: János Zillger, Tansania, 11/2016]

Gerd konnte seinen großen Traum wahr machen und ist zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen mit der MV Songea Richtung Kyela abgedampft. 

Auch für mich heißt es langsam aber sicher Abschied nehmen. Ich vertiefe mich in meinen letzten Wochen in Liuli ins schreiben, spiele Fußball mit der Dorfmannschaft und arbeite die Kosten für die Begegnungsstätte weiter aus. Daniel holt derweilen fleißig Angebote für die benötigten Materialen ein.

Oder veranstalte Kinoabende für jung und alt… [Bild: János Zillger, Tansania, 11/2016]

Kurz vor meiner Rückreise fahren wir noch ein letztes Mal für dieses Jahr nach Ndingine. Neben dem Abschied nehmen von den Gemeindemitglieder und ihrem Priester Banarba, nutze ich die  Gelegenheit um mit allen Beteiligten den weiteren Bauablauf während meiner Abwesenheit zu besprechen. Des Weiteren gilt es der Gemeinschaft zu erklären, wieso wir nicht wie beim letzten Besuch zugesagt mit dem Lastkraftwagen gekommen sind. Ich nutze die Gelegenheit, um noch einmal  meine Vision und meine Form der Unterstützung bei dem  Vorhaben „Begegnungsstätte für Ndingine“ zu erläutern. Die Finanzierung des LKW zum Transport der Steine ist in meinen Ausführungen nicht vorgesehen. Stattdessen zeige ich ihnen kostengünstige Alternativen zum Transport der Steine auf. Auch wenn die Anwesenden verständnisvoll nicken, glaube ich zu wissen, dass sie insgeheim auf einen Geldsegen meinerseits hoffen, um so doch noch den Transport mittels Lastwagen finanziert zu bekommen…..

Ruhige und gelassene Stimmung… [Bild: János Zillger, Tansania, 11/2016]

Die Bedenken und Befürchtungen, dass die ganzen Mühen und Anstrengungen des letzten Jahres durch die nahende Regenzeit, mit ihren sintflutartigen Regenergüssen, weckgespült werden könnte, ist bei uns allen zum spüren nah. Eine Lösung scheint nicht in Sicht, zumal sie im Moment den Vorarbeiter nicht finanzieren können und glauben ohne seine oder meine Anleitung nicht mit den Arbeiten am Fundament weitermachen zu können.

Auf der Baustelle unternehme ich einen letzten Versuch und demonstriere wie der Aufbau der Fundamente zu erfolgen hat. Verschiedene Alternativen zum Transport der Steine, alle ohne kostenintensiven Lastwagen, werden hin und her diskutiert, ohne zu einem für alle Beteiligten zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen. Neben der kräftezehrenden Feldarbeit, ist es einfach nicht zu schaffen mittels Muskelkraft die benötigten Steine zur Baustelle zu transportieren. Daniel und ich treten erstmals ratlos unsere Rückreise nach Liuli an.

Die stärksten Frauen der Welt… [Bild: János Zillger, Tansania, 11/2016]

Eine Woche später verabschiede ich mich voller Dankbarkeit von Daniel, Sofia, Sam und den Bewohnern von Liuli für deren Gastfreundschaft. Mit meinen letzen Groschen kaufe ich mir ein Ticket für den Bus. Schweren Herzens fahre ich, erstmals ohne Zwischenstopp bei Mary und Martin in Mbinga, direkt nach Songea. Nach einem stressigen Nachmittag, gespickt mit nervigen Bankbesuchen, verbringe ich den Rest des Abends in meinem Hotelzimmer. Dort lass ich meinen Gedanken freien Lauf umso Kraft für die strapaziöse Weiterreise zu tanken. Schließlich heißt es am nächsten Tag – für vorerst das letzte Mal – früh um sechs den völlig überfüllten Langstreckenbus nach Daressalam zu nehmen. Nach unzähligen Höllenstunden geht auch diese Tortur für mich glücklich, da unfallfrei, zu Ende und ich komme sicher in meinem Hotel, meinem persönlichem Safe Harbour an. Den mir noch verbleibenden Tag nutze ich um Godfrey, Mary‘s Sohn, nach langer Zeit noch ein mal wiederzusehen. Er ist für mich über all die Jahre ein guter Freund und ein wichtiger Ratgeber geworden. Zum Abschied rät er mir, alles was mich daran hindert mit dem Erreichten glücklich und zufrieden zu sein, hinter mir zu lassen, um so frei zu sein für alles was da noch für mich kommen mag.

Ich verlasse Tansania mit reinen Gewissen und freue mich nach den subtropischen Monaten auf die winterlichen Temperaturen in Deutschland. Trotz allen Irrungen und Wirkungen war die Zeit in Ndingine eine gute und wertvolle Zeit. Eine Zeit, in der wir gemeinsam, trotz aller Widrigkeiten und den bescheidenen Mittel, der Vollendung der Begegnungsstätte einen großen Schritt näher gekommen sind… Möge die Regenzeit uns gnädig sein… und das geschaffene Bestand haben! [JZ, 10/2016]