Interview mit Dr. Daniel Ndimbo

Dr. Daniel Ndimbo… [Foto: Niklas Doka, Deutschland, 10/2016]

1. In den Geschichtsbüchern steht vieles über David Livingstone und seine Reisen durch Afrika. Über seine Aufenthalte am Sambesi, in Sambia deren Victoria Falls ja auch in der Nähe der Stadt „Livingstone“ findet sich vieles niedergeschrieben. Aber über Tansania liest man sehr wenig, warum hat David Livingstone für die Bevölkerung trotzdem eine so große Bedeutung? 

David Livingstone ist deshalb so bedeutend für die Bevölkerung, weil er speziell in den Regionen Njassaland, Tanganjika und Sansibar, welche das heutige Land Tansania bilden, den Sklavenhandel der Portugiesen sowie der Araber zu stoppen versuchte. Seine weitere große Errungenschaft steckt in der Christianisierung des „schwarzen“ Afrikanischen Kontinentes, so z. B. die anglikanische Kirche in Tansania. Zudem baute er die ersten Krankenhäuser und Schulen.

2.) Würdest du sagen, dass die Kirchen, so wie sie heute in Tansania existieren, also nicht nur die Bauten, sondern auch ihre Gemeinden ohne den schottischen Missionar es so nicht geben würde?

Ja, definitiv. Livingstone ist derjenige, der die Missionare mit seinen veröffentlichten Büchern und Vorträgen über Afrika nach Tansania brachte. Im ganzen Land existieren viele Spuren von David Livingstone. So unter andrem am Njassasee (Malawisee), welcher von ihm selbst so getauft wurde, dort wurden die Berge von der regionalen Bevölkerung nach David Livingstone benannt.

3.) Die Dichte an Kirchen ist am Njassasee sehr hoch! Diese Gebäude kosten ja aber auch viel Geld zur Instandhaltung. Woran liegt es, dass die Bevölkerung, die das Geld ja sicher auch für Gesundheitsversorgung, Ernährung und Kleidung brauchen könnte, trotzdem so sehr den Erhalt dieser Kirchen unterstützt.

Um ehrlich zu sein, es wird momentan keine Kirche gebaut. Die meisten Gemeinden können es sich nicht leisten die Kirchenbauten, welche zumeist Ende des 18. Jahrhunderts um den See gebaut wurden, instand zu halten oder gar zu restaurieren. Ausgenommen hiervon ist ein aktuelles Projekt in dem Dorf Ndingine am Njassasee. Die dortige Kirche muss, wegen einer Straßenerweiterung abgerissen werden. Derzeit plant die Kirchengemeinde mit einem deutschen Architekten (Anm. d. Red.: János Zillger) eine neue Kirche.

4.) Welche Bedeutung hat David Livingstone für die Gemeinden noch heute?

Eine sehr Große. Da er bis zu seinem Tod nie aufgab den Sklavenhandel friedlich zu stoppen, den christlichen Glauben zu missionieren sowie immer ein Freund Afrikas war.

5.) Die Kirchen am Njassasee sind mit den Krankenhäusern der Umgebung verbunden. Ist dies auch eine Folge der Ideen von David Livingstone, er beschäftigte sich ja immerhin auch besonders mit Medizin.

Ja. Als Missionar, Forscher, Arzt und Philanthrop waren diese ebenfalls einige seiner Ziele. Man kann sagen, dass er der Gründervater des Gesundheits- und Schulsystems ist. Die nachfolgenden Missionare sowie der erste Präsident von Tansania, Julius Nyerere, setzten seine Ziele, der flächendeckenden Versorgung des Gesundheits- und Schulsystem, bis heute um.

6.) Ursprünglich wollte David Livingstone den Sklavenhandel in Afrika abschaffen. Was denkst du, woran es lag, dass ihm dies damals nicht gelang und die Sklaverei erst viele Jahre später abgeschafft wurde. Oder ist es trotzdem ein Verdienst Livingstones, dass es heute kaum mehr Sklaven gibt.

Ja, es ist sein großer Verdienst. Die ersten Beschlüsse um den Sklavenhandel zu stoppen wurden bereits Ende des 17. Jahrhundert in London von der Society for Effecting the Abolition getroffen. Als David Livingstone nach seinen ersten beiden Afrikareisen Mitte des 18. Jahrhunderts in seine Heimat zurückkam, berichtete er, dass die Araber und Portugiesen immer noch Sklavenhandel betrieben. 1865 segelte er mit einer Delegation von Missionaren von England nach Sansibar, um den Sklavenhandel endgültig zu stoppen. Dies gelang aber erst 8 Jahre später, während David Livingstone sich auf seiner letzten Forschungsreise befand. 1873 konnten Edward Steere und William Percival Johnson den damaligen Sultan von Sansibar Barghash bin Said Al-Busaid überzeugen den Sklavenhandel zu beenden. [JZ & KH 05/2014]